Die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) am Arbeitsplatz hat definitiv Einzug im Arbeitsalltag gehalten und so bietet deren Einsatz vielfältige Chancen, um sich sowohl persönlich weiterzuentwickeln wie auch effizienter zu Arbeitsresultaten zu gelangen. Der ungeregelte Einsatz von KI am Arbeitsplatz kann für ein Unternehmen aber auch zu juristischen Problemen führen, die es frühzeitig zu erkennen und verhindern gilt. Dieser Artikel soll in Kürze die wichtigsten von einer Unternehmung zu beachtenden Regeln beleuchten.
1. Work smart, not hard…
Bob arbeitet in der Finanzabteilung eines KMU, bei welchem der Verwaltungsrat in seiner letzten Sitzung entschieden hat, neu einen zusätzlichen halbjährlichen Finanzabschluss zu erstellen. Dies stellt nicht nur Bob, sondern die ganze Finanzabteilung vor Ressourcenengpässe, stehen ja auch die Sommerferien vor der Tür und ein grosser Teil von Bob’s Arbeitskollegen hat bereits Ferien im August gebucht. Als die Erstellung des Halbjahresberichts ansteht, hat Bob grosse Schwierigkeiten den zusätzlichen Aufwand zu stemmen. Da kommt ihm eine Idee und so erstellt er an einem Homeoffice-Tag einen privaten KI-Account und lädt alle Finanzzahlen des KMU in das KI-Modell hoch. Dass die Finanzzahlen vertraulich sind und was mit diesen im Modell geschieht, hat er im Stress nicht wirklich überlegt. Schliesslich fordert er das Modell auf, den Halbjahresbericht zu erstellen, was in wenigen Minuten geschieht. Am nächsten Tag im Büro zeigt Bob seinen Arbeitskollegen den fertigen Halbjahresbericht, worauf diese nicht aus dem Staunen herauskommen und Bob fragen, wie er dies nur geschafft hat. Bob antwortet mit einem triumphierenden Lächeln: Work smart, not hard!
Das Vorgehen von Bob ist wohl kein Einzelfall und zeigt auch auf, wie hilfreich und zeitsparend der Einsatz von KI bei der Arbeit sein kann. Ein stark belasteter Arbeitnehmer unter Zeitdruck wird sich wohl rasch zu einem solchen Handeln hinreissen lassen. Jedoch zu welchem Preis für die Unternehmung? Diese setzt sich im einleitenden Beispiel verschiedenen rechtlichen und ethischen Gefahren aus, da mitunter ungewiss ist, wie sich das Hochladen der vertraulichen Finanzinformationen ins Modell auf die Unternehmung auswirken kann. Ohne eine geschützte Umgebung, auf welchem die KI arbeitet, werden die Inhalte vom Modell meist zu verschiedenen, auch ungewollten Zwecken, wie insbesondere dem weiteren Training des Modells verwendet. Die Vertraulichkeit der Finanzinformationen ist dabei nicht mehr gewährleistet und diese werden unkontrolliert der Öffentlichkeit preisgegeben. Rechtliche Risiken und der Abfluss von Geschäftsgeheimnissen sind vorprogrammiert.
2. Welche Rechtsbereiche sind zu beachten
Die Regulierung von künstlicher Intelligenz steht in der Schweiz noch am Anfang, erste Bestrebungen für generelle Regeln – ähnlich wie in der EU mit dem AI-Act – sind noch in Ausarbeitung und die Ansichten über sinnvolle Regeln gehen weit auseinander. Dabei stehen – wie auch in Unternehmen – oft die Interessen an einer beabsichtigten Innovation durch Einsatz von künstlicher Intelligenz in einem Spannungsfeld mit dem Schutz betroffener Personen vor ungewollten Auswirkungen (wie z.B. Ausgrenzung von gewissen Personen) oder auch den Interessen einzelner Rechteinhaber (beispielsweise Schutz von deren Urheberrechten).
Viele bestehende Regeln können aber bereits heute auf KI und deren Einsatz in Unternehmungen herangezogen werden. Dabei können verschiedene Rechtsbereiche betroffen sein. Je nach Anwendungsfall und Branche des Unternehmens sind unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen und es sind sowohl geltendes Recht, künftige Regulierungen, wie auch ethische Standards zu beachten. Als wichtigste Rechtsbereiche können dabei die folgenden genannt werden:
Ethik und Regulierung: Neben den heute bereits bestehenden rechtlichen Schranken ist es für jede Unternehmung auch angebracht, sich selbst Regeln für die Nutzung von KI-Modellen zu geben und dabei auch ethische Aspekte inklusive sozioökonomische Auswirkungen zu berücksichtigen. KI sollte insbesondere nur dazu genutzt werden, um inklusive Lösungen zu schaffen, von denen eine Vielzahl von Nutzern oder Betroffenen profitiert. Ausgrenzende Auswirkungen aufgrund von Rasse, Religion, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Behinderung oder anderen potenziell marginalisierten Gruppen sind stets zu vermeiden und zu mindern. Die Vorgabe von ethischen Regeln zur Nutzung von KI kann mithin Reputationsschäden vorbeugen und den Einsatz der KI durch Mitarbeiter kontrollierbarer machen. Sinnvoll sind beispielsweise Vorgaben zum Einsatzspektrum von KI-Modellen, aber auch zu Transparenzvorgaben oder Dokumentationspflichten.
Diese Auflistung ist nicht abschliessend und es werden mit künftigen Regulierungen weitere Rechtsbereiche betroffen sein. Die Entwicklung in diesem Bereich gilt es daher stets im Auge zu behalten.
3. Was ist zu nun unternehmen?
Damit die oben erwähnten Rechtsbereiche in einer Unternehmung respektiert und von den Mitarbeitern auch eingehalten werden, sind entsprechende Massnahmen frühzeitig zu ergreifen und in einem ersten Schritt zu definieren, welche KI-Modelle innerhalb einer Unternehmung überhaupt benutzt werden dürfen. Für diese erlaubten KI-Tools sollte schliesslich innerhalb von Lizenzverträgen darauf geachtet werden, dass die für die vorgesehene Anwendung notwendigen Sicherheiten vom Anbieter auch gewährt werden. Schliesslich sollten klare Leitplanken zur Nutzung der erlaubten Tools in einem internen Reglement aufgestellt und auch diesbezügliche Schulungen des Personals durchgeführt werden.